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19.03.2019

Bezahltes Content-Marketing als Chance?

22.02.2019
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Karl Malik
Tragfähige Bezahlmodelle neben Print bei der Tageszeitung sind das große Thema für wirtschaftlich stabile Zeitungen und deren Zukunftsperspektiven. Der Content ist nach wie vor kanalunabhängig gefragt; die Marketingabteilungen investieren dennoch lieber in Social-Media-Abenteuer und diskutieren die erstellten KPIs. Am Ende werden sich jene Medienhäuser durchsetzen, die bereit sind, über Künstliche Intelligenz ihre Kunden noch besser verstehen zu lernen und ihre Prozesse umfassend zu digitalisieren. Zusätzliche Geschäftsmodelle wie Postversand durch den Zeitungsverlag, regionale Internetplattformen bei der weitere Dienstleistungen angeboten werden, stehen dabei lediglich ergänzend zum Kerngeschäft zur Verfügung. Im Printbereich steigen die Kosten an allen Fronten. Die Papierpreise schießen nach oben, Druckereien sind nicht mehr ausgelastet, der Vertrieb wird durch staatliche Eingriffe wie Mindestlohn in Deutschland dramatisch erschwert. Der Mangel an Menschen, die bereit sind, die Zeitung sehr früh am Morgen auch an den zahlenden Leser auszutragen, kommt erschwerend dazu. Der kürzlich veröffentlichte Report „Journalism, Media, and Technology Trends and Predictions“ vom Reuters Institute und der University of Oxford prognostiziert, dass 2019 das Jahr der größten Entlassungswelle im Journalismus seit langem wird. 2019 könnte danach zur Zerreiss-Probe für die Zeitungs- und Zeitschriftenmedien werden.
Am Beispiel der Funke-Mediengruppe ist Wandel im Medienkonsumverhalten in ersten Ansätzen erkennbar. Die Funke-Tageszeitungstitel zählen insgesamt rund 100.000 zahlende Digitalkunden. Diese legen im Durchschnitt 20 Euro im Monat auf den virtuellen Tisch. Allein der Vorreiter Hamburg kommt schon auf 30.000 Abonnenten. In Nordrhein-Westfalen, wo die Bezahlschranke ja jetzt erst gestartet wurde, gewinnt das Medienhaus 60 Abos pro Tag. Davon kann ein Medienhaus in der Größe von Funke Medien natürlich nicht wirtschaftlich existieren. Aus heutiger Sicht, (noch?) zu wenig, um in Würde sterben zu können. Allerdings ist es ein erster Schritt, mit digitalem bezahltem Content vielleicht in den nächsten Jahren nennenswerte Deckungsbeiträge zu erwirtschaften. 
Am Beispiel von Alan Rusbridger, langjähriger Chefredakteur und Vordenker beim Londoner The Guardian wird deutlich, dass sich die Zeitungsmedien neu strukturieren. Nach Jahren der Verzweiflung über Auflagen-Rückgänge und Umsatzeinbrüche durch die digitale Medien, ist die Rückbesinnung auf die Stärken der Zeitungsmedien erkennbar: Investigativer Journalismus, Autorentexte und Expansion mit Inhalten, die seriös recherchiert werden und für die der Medienkonsument auch bereit ist zu zahlen.
Bloomberg News erstellt heute schon etwa 30 Prozent der Inhalte über die Unterstützung durch Künstliche Intelligenz. Eine schon heute teilautomatisierte Nachrichtenzukunft, die doch heute den Menschen  in den meisten Fällen letzendlich als Entscheidungsträger braucht.
Journalistische Arbeit war und bleibt auch künftig anspruchsvoll. Journalisten werden neue Fähigkeiten brauchen. Qualititativer Daten-Journalismus und hochkarätiger Investigativ-Journalismus sind die Fähigkeiten, die es  dazu weiter aufzubauen gilt. 
Qualitative,  sauber und kritisch recherchierte Inhalte im gesellschaftlichen Diskurs anzubieten - darum geht es heute und morgen.  Und am Ende entscheidet jeder Mensch, was für ihn interessant und wichtig ist. 
Freie wirtschaftlich erfolgreiche Medien müssen das Rückgrat einer freien demokratischen Gesellschaft bleiben. Es gilt, eigene Stärken bei den Zeitungsmedien weiter auszubauen. Eine bezahlte Zeitung kostet etwa den Preis eines Cappucino. Darüber gilt es auch bei kritisch-denkenden Medienkonsumenten nachzudenken. Seriöse Zeitungs- und Zeitschriften-Inhalte verdienen es zu einem fairen Preis - analog oder digital - gekauft zu werden.
Ihr
Prof. Ing. Karl Malik
Karl.Malik@premedianewsletter.de

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