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21.10.2018

Der Kampf um die Zeitung

25.09.2018
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39,3 Millionen Menschen in Deutschland lesen die gedruckte Zeitung und 13 Millionen nutzen sie täglich digital: Deutschland ist ein Zeitungsland: Allein mit ihren Printausgaben erreichen die Tageszeitungen 55,8 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung. Österreich und die Schweiz liegen vom Trend her gleich.
Eine tolle Reichweite mit hoher Dichte der Abdeckung in den  immer schwieriger werdenden Medienmärkten. Doch der Trend geht in Richtung Digital. Allerdings wie viele Start-ups braucht die Zeitungs-Medienbranche noch, um von der Vermarktung ihrer Digital-Angebote in ihrem Kerngeschäft – der Zeitung, der Zeitschrift – mit all ihren gedruckten und digitalen Angeboten Inhalte von Qualität leisten zu können? Was kann dabei im Wettbewerb, der heute schon schon wertvolle Angebote hat und  der heute schon besteht, noch Neues entstehen?
Valdo Lehari jr., BDZV-Vizepräsident und Verleger beim „Reutlinger General-Anzeiger“ sieht nach jahrelangem Kampf um Brüssel für die Verleger-Rechte die Zeitung in einer lebensbedrohenden Situation. „Es ist 5 Minuten vor 12!.“ Nun scheint ein später Silberstreif am Horizont erkennbar. Wenn er sehr spät aber doch endlich kommt, könnte es dafür schon wieder zu spät geworden sein. Die weltweit agierenden Giganten der Medienindustrie legen ein anderes Tempo vor.

Europäische Verlegerverbände begrüßen Entwurf für neues europäisches Urheberrecht
„Die Verlegerverbände BDZV und Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) begrüßen die Mitte September nach langen Jahren fällige Entscheidung des Europäischen Parlaments in Straßburg für ein neues europäisches Urheberrecht. Dieses wird von über 100 europäischen Verbänden der Kreativbranche – von Musikern, über Orchester, Buchautoren, Filmemachern bis hin zu den Journalisten und Verlagen – unterstützt.
Nach jahrelangen Debatten und Auseinandersetzungen, die zum Teil durch die massenhafte Verbreitung falscher Tatsachen begleitet wurden, kann der Trilog mit Rat, Kommission und Parlament auf der EU-Ebene nun beginnen. Sobald der Trilog erfolgreich abgeschlossen wurde, kann der Text des Kompromissvorschlags in ein Gesetz umgewandelt werden.“ 
Von dem neuen Recht profitieren nach Auffassung beider Spitzenverbände alle Inhaber urheberrechtlich geschützten Eigentums und alle Menschen in Europa, weil die Kreativbranche den großen Internetkonzernen gegenüber nun endlich klare Spielregeln durchgesetzt hat. Das Europäische Parlament hat heute ein Zeichen gegen die Nutzung von geschützten Werken im Internet ohne Genehmigung der Rechteinhaber gesetzt.
Die Novelle des Urheberrechts in der Europäischen Union verfolgt das Ziel, geltendes Recht an das veränderte Nutzungsverhalten der Bürger anzupassen und dabei die Interessen von Künstlern, Autoren, Produzenten, Verlegern, Rechteinhabern, Konsumenten und Internetnutzern fair auszugleichen.
Nach jahrelangen Debatten und Auseinandersetzungen, die zum Teil durch die massenhafte Verbreitung falscher Tatsachen begleitet wurden, kann der Trilog mit Rat, Kommission und Parlament auf der EU-Ebene nun beginnen. Sobald der Trilog erfolgreich abgeschlossen wurde, kann der Text des Kompromissvorschlags in ein Gesetz umgewandelt werden.“ (Quelle BDZV).

Netflix – eine neue Medien-Ikone?
Netflix wächst um satte 75 Prozent, Streaming-Dienste heben ab, klassisches Fernsehen verliert. Die Details des Digitalisierungsberichts Video 2018 der Medienanstalten.
Ein „Cord Cutting“ wie in den USA  - wo Millionen von Menschen ihre Kabel-TV-Abos gekündigt haben, um Videoangebote aus dem Netz zu streamen - gibt es in Deutschland noch nicht. Noch widmen die Menschen noch knapp zwei Drittel (64,9 Prozent) ihrer Fernsehzeit dem klassischen Fernsehen. Doch die Fülle an gut gemachten Video-on-Demand-Angeboten nagt in zunehmendem Tempo an der Substanz des linearen TV: Im Verhältnis zu anderen Bewegtbildangeboten nimmt die Nutzung 2018 um 6,1 Prozent ab.
Video-on-Demand (VoD) ist dagegen auf dem Vormarsch. Gut 29 Millionen Personen nutzen inzwischen mindestens einmal im Monat Video-on-Demand-Angebote (42 Prozent der Bevölkerung). Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle „Digitalisierungsbericht Video 2018“ der Landesmedienanstalten, für den die Marktforschungsfirma Kantar TNS telefonisch 7500 Personen ab 14 Jahren befragt hat.

The Power of Print 
Das Multisense Institut für sensorisches Marketing analysierte im Auftrag der Creatura-Brancheninitiative über 300 internationale Studien zur Werbewirkung von Print und Printveredelung und leitete daraus praktische Handlungsempfehlungen für den Einsatz von Print im digitalen Zeitalter ab.
Nullen und Einsen haben die Marketingwelt revolutioniert. Doch entgegen einiger Voraussagen löst sich die Welt nicht komplett in Pixel auf. Im Gegenteil: Der digitale Wandel sorgt derzeit für eine Renaissance des Analogen. Offline liegt wieder voll im Trend. Es werden mehr Bücher gekauft denn je, Amazon eröffnet Ladengeschäfte, AirBnB publiziert sein eigenes Kundenmagazin und selbst bei Google, Facebook & Co liegen Moleskine-Notizbücher neben den Laptops. In einer flirrenden, digitalen Welt sehnen sich die Menschen nach konkreten Erfahrungen und sinnlichem Erleben. Print spielt dabei eine wichtige Rolle und ergänzt High Tech um “High Touch”.
Eine zentrale Erkenntnis der Neurowissenschaften: Print ist durch seine multisensorischen Qualitäten optimal gehirngerecht. Darüber hinaus bietet Print durch Veredelung sowie neue Drucktechnologien mehr Möglichkeiten für Marketers denn je. Doch Vorsicht: Die Annahme, dass Softtouch und Glanz automatisch Preisbereitschaft und Abverkäufe erzeugen, ist ebenso ein Trugschluss wie die Gleichung “Millionen Klicks = Millionen Umsätze”. 
In der Metaanalyse The Power of Print vermitteln der Marketingexperte Olaf Hartmann und der Konsumentenpsychologe Sebastian Haupt auf verständliche Weise den aktuellen Stand der Forschung und geben praktische Impulse, wie Marketers die Werbewirkung von Print optimieren. 
Die Metanalyse beantwortet grundlegende Fragen: Was wissen wir über die Werbewirkung von Print in digitalen Zeiten? Warum spielt Print im Media-Mix immer noch eine einzigartige Rolle beim Aufbau von Markenvertrauen? Welchen Einfluss hat Print auf die Aufmerksamkeit? Wie steigert Print die Erinnerung an Werbung und die Glaubwürdigkeit von Marken? Wie beeinflusst Print die Wertwahrnehmung und die Kaufbereitschaft am Point of Sale?
„Erfahrene Praktiker wissen aus Erfahrung um die Möglichkeiten von Print, doch bislang gab es keinen wissenschaftlich fundierten Wissenspool. Wir haben mit unserem Kompendium nicht nur einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand geschaffen, sondern geben damit auch die nötige Orientierung, wie man die Werbewirkung von Print und die vielfältigen Veredelungsmöglichkeiten optimal nutzt“, erklärt Rüdiger Maaß, Geschäftsführer des f:mp. und Mitinitiator der Creatura-Brancheninitiative. 
Bereits der Medienphilosoph Marshall McLuhan postulierte vor über 60 Jahren: „The Medium is the message.“ Der Kanal, über den eine Botschaft die Menschen erreicht, prägt auch ihre Bedeutung. Deshalb gilt: Wer die Prägung seiner Botschaft durch den Kanal Print umfassend versteht und im crossmedialen Zusammenspiel richtig nutzt, gewinnt damit wichtige Wettbewerbsvorteile. 
Print und Printveredelung nehmen Menschen auf sinnliche Erlebnisreisen mit, die messbar auf Markenerinnerung, Markenvertrauen, Response und Kaufbereitschaft einzahlen. 
Die Metaanalyse erscheint Ende September 2018 und kann von allen Interessierten gegen eine Gebühr von 499 Euro (f:mp.-Mitglieder zu Sonderkonditionen) beim Fachverband Medienproduktion e.V. bezogen werden. Bestellungen (deutsche oder englische Version) der Creatura Metaanalyse sind bereits jetzt möglich unter: https://www.creatura.de/metaanalyse
Die Lagerfeuerabende mit der Familie vor dem TV gehören endgültig der Vergangenheit an, stattdessen werden Gutscheinkarten für VoD-Serienabende im Supermarkt gekauft“, sagt Cornelia Holsten, Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten anlässlich der Präsentation der Studie in Berlin.

Die bisherigen Nutzungsmuster kippen
Ein Blick auf die jüngeren Zielgruppen zeigt die Dramatik des Umbruchs. Dem Fernsehen widmen die 14- bis 29-Jährigen nur noch etwas mehr als ein Viertel (29 Prozent) ihres Zeitbudgets. Vor zwei Jahren entfiel auf das TV noch etwa die Hälfte (47 Prozent).
Video-on-Demand nimmt in dieser Zielgruppe inzwischen mehr als die Hälfte (56 Prozent) des Zeitbudgets ein - ein sattes Plus von 27 Prozent. Auch bei den 30- bis 49jährigen kippt das bisherige Nutzungsmuster zu Ungunsten des klassischen linearen Fernsehens, wenn auch nicht ganz so stark.
Im Internet können die Fernsehanbieter nur bedingt mit den Angeboten von US-Unternehmen wie Netflix, Amazon oder Youtube mithalten: 24 Millionen Personen ab 14 nutzen Youtube. Fast jeder Dritte ab 14 Jahren ruft inzwischen die Angebote von Amazon Prime Video, Netflix oder anderen Streamingdiensten ab (plus 27 Prozent über alle Anbieter).
Netflix wächst mit 75 Prozent am schnellsten und holt zu Amazon Prime Video auf. Beide Anbieter erreichen mit ihren Bezahlangeboten inzwischen etwa 13,5 Millionen Personen und haben damit trotz der Bezahlschranke mehr Nutzer als die Videotheken der privaten TV-Anbieter (11,6 Millionen). Zusammen mit den Öffentlich-Rechtlichen erreichen die Mediatheken der TV-Sender etwa 20 Millionen Personen ab 14 Jahre.
Die US-Giganten legen zudem ein enormes Innovationstempo vor. Amazon Prime plant eine werbefinanzierte Gratis-App und reagiert damit auf den weltweiten Rollout von Facebooks Videodienst Watch. Die Plattformen dringen inzwischen auch in eine klassische Domäne der TV-Sender ein - die Live-Events: Amazon hat Spiele der englischen Premier-League erworben, Facebook sicherte sich Fußballrechte in Lateinamerika und Asien.
Die Sender auf dem deutschen Markt müssen ihre Angebote verbessern, um mitzuhalten. Die Telekom will im November mit einer Streaming-App (Preis: 10 Euro) für ihr Angebot Entertain TV mitmischen. Die Plattform von ProSiebenSat1 und Discovery - 7TV - soll noch im Herbst um weitere Partner ergänzt und als neue Marke unter einem anderen Namen aufgebaut werden werden.
Die ARD hat zur IFA eine smartere Beta-Version ihrer Mediathek vorgestellt, die mit Empfehlungslogik die Nutzer überzeugen will.
Googles News Initiative Fund – Wer profitiert von wem?
Renommierte Tageszeitungen wie die „Neue Zürcher Zeitung“ und unter anderem auch „Schwäbisch Media“ koopieren in von Google bezahlten Projekten.  
In Österreich investiert Google ebenfalls in die Zusammenarbeit mit führenden Tageszeitungen. 
Was hat die Förderinitiative bisher erreicht? Was sind die Erfahrungen über den Innovationsprozess in Verlagen? Und inwieweit wird das Engagement von Google für innovativen Journalismus fortgesetzt?
Die Frage, wer gibt mehr? bleibt offen.
Wenn alles Know-how und Daten von den hochkarätigen deutschsprachigen Zeitungsmedien an Google & Co. transferiert gewesen sein wird, könnte es stiller um diese Kooperationen werden. 
Google & Co. sind heute schon an ihrem Ziel angelangt.
Digitale Erfolgsmodelle für Tageszeitungen bleiben ein Hoffnungsmarkt.

Medien-Mix der Zukunft
Wichtig bleibt auch in Zukunft für bezahlte Medien, wer das Tor in das Herz und die damit Kaufbereitschaft seiner Käufer mit seriöser Recherche und Qualität, gut erzählten, berührenden Geschichten findet.
 Über alle Medienkanäle, Print oder Digital, hinweg. Damit kann es gelingen, sich von der Flut von Gratis-Medien erfolgreich abzugrenzen. 
Die Zeit dafür ist schon heute sehr eng bemessen geworden. Abwarten auf sich selbst bessernde Zeiten gilt nicht mehr.
Kann ein Erfolg auch scheitern? 
-karma-

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