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21.07.2018

Das Aktuelle Medieninterview – Qualitätsjournalismus täglich national bis subregional

24.04.2018
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PreMedia Newsletter: 
Lieber Hr. Chefredakteur Perterer, ich freue mich sehr, Sie wieder in Salzburg zu treffen und Ihnen Fragen zur Zukunft der Zeitung stellen zu können. Können Sie unseren Leser das Unternehmen „Salzburger Nachrichten“ näher vorstellen?

Manfred Perterer: 
Hr. Malik, ich freue mich sehr, Sie bei den „Salzburger Nachrichten“ erneut begrüßen zu können. Die Salzburger Nachrichten bestehen seit 1945. Wir sind ein Familienunternehmen, wie es sie in unserer Branche nicht mehr viele gibt. Flaggschiff ist die Tageszeitung mit Print und zahlreichen digitalen Kanälen, dazu kommen sechs regionale Wochenzeitungen und eine Gratiszeitung, Druckerei, ein Rechenzentrum, eine Digitalfirma, eine regionale Online-Plattform und vieles mehr. Wir sind also breit aufgestellt. 

PreMedia Newsletter: 
Ist nicht nur die aktuelle Facebook-Affäre mit allen Rahmenerscheinungen ein Indiz dafür, dass freier Qualitätsjournalismus wichtiger denn je ist? Wie sehen Sie die aktuelle Situation für die Tageszeitung?

Manfred Perterer: 
Die Medien insgesamt haben an Glaubwürdigkeit verloren. Qualität ist der einzige Weg, diese wieder zurückzuerobern. Ganz wichtig sind dabei: Unabhängigkeit, Recherche, Trennung von Bericht und Kommentar, klare Kennzeichnung von bezahlten Inhalten, die Betroffenen hören, den Ehrenkodex der Presse einhalten, den Blick über den Tellerrand hinaus wagen, Mut, um nur einige Kriterien zu nennen.

PreMedia Newsletter: 
Dennoch sehen wir eine kritische Öffentlichkeit, die offensichtlich immer weniger zeitungsaffin denkt und sich immer mehr nur mehr oberflächlich per elektronischen, vielfach ungeprüften Inhalten informieren möchte.
Wie kann diesem Trend gegengesteuert werden?

Manfred Perterer: 
Der Schnelligkeit des heutigen Lebens kommen wir durch schnelle Angebote online entgegen. Doch die Tiefe erreichen wir nach wie vor am besten mit der gedruckten Zeitung. In ihr wollen wir auch mehr Wissen vermitteln. Das macht sich für die Leserinnen und Leser bezahlt. Sie stehen am Ende der Lektüre als aufgeklärte Menschen den Herausforderungen des Lebens gelassen gegenüber. Wer nichts weiß, muss alles glauben. Wir wollen erreichen, dass die Menschen, die Salzburger Nachrichten in ihr Leben einbauen, einen Vorteil haben. Das ist auch für jungen Menschen interessant.

PreMedia Newsletter:
Österreich ist ja ein hochkarätig besetzter Zeitungsmedien-Markt. Gerät die bezahlte Tageszeitung, aber auch 
deren Derivate über Line-Extensions, zum Luxusgut für eine Elite?

Manfred Perterer:
Unsere Zeitung ist ein hochwertiges Produkt, gefüllt mit hochwertigen Informationen und Hintergrundberichten, kompakt, intelligent, zusammenfaltbar, ohne Angst, dass jemand irgendetwas über Sie speichert, wenn Sie lesen. Und das Ganze bekommen Sie noch um 6 Uhr früh frei Haus geliefert. Im Vergleich dazu ist die Zeitung sehr, sehr günstig. 

PreMedia Newsletter:
Die Marke Zeitung - mit Druck als markenführende Komponente - bildet ja doch das Rückgrat für eine frei denkende, atmende Demokratie. Wie kann die Zeitung - gedruckt und elektronisch vertrieben und vermarktet - weiter als Wachtturm freier Demokratien wirken?

Manfred Perterer: 
Ohne freie Medien gibt es keine Demokratie. Das sehen wir ja in anderen europäischen Staaten, wo die Medien stark unter politischem Druck stehen. Die Medien sind die unabhängigen Wächter der Demokratie. Deshalb müssen wir wachsam sein, scharf kontrollieren, aber auch konstruktiv an der Gesellschaft mitwirken.

PreMedia Newsletter:
Bei den „Salzburger Nachrichten“ werden ja alle verfügbaren Medienkanäle bespielt. Auch mit der e-Paper-Ausgabe am Sonntag. Wie sind Ihre Erfahrungen damit?

Manfred Perterer: 
Wir arbeiten mittlerweile voll integriert. Das heißt, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Redaktion für Print und Online arbeiten. Es geht darum, auf allen Kanälen Qualität zu liefern. Die Eigenleistung muss auch digital sehr hoch sein, damit die Kunden bereits sind, das Produkt auch zu abonnieren. Das E-Paper gibt es täglich, von Montag bis Sonntag. Am Sonntag reichern wir es gegenüber der gedruckten Zeitungsausgabe stark an.

PreMedia Newsletter:
Wie wichtig, Hr. Perterer, sind multimediale Vertriebskanäle für Zeitungsmedien? Wie können dadurch neue Leser, auch die noch nicht zeitungsaffine Jugend, gewonnen werden?

Manfred Perterer: 
Wir versuchen, auf allen Kanälen an potenzielle Leserinnen und Leser heranzukommen. Die digitale Ausspielung unserer wertvollen Inhalte ist besonders bei der jungen Zielgruppe essenziell.

PreMedia Newsletter:
Wie weit ist der sich ändernde Lifestyle der Gesellschaft für die Zeitung prägend?

Manfred Perterer: 
Die Konsumgewohnheiten ändern sich dramatisch. Die Singelisierung der Gesellschaft führt dazu, dass in einem Haushalt mit einer Zeitung oft nur noch ein Mensch lebt. Früher ist in einer typischen Familie eine Zeitung durch sechs oder acht Hände gegangen. Dazu kommt, dass die Leute kaum noch Zeit für die Lektüre einer Zeitung haben oder haben wollen. Alles muss schnell gehen. Wir bieten das Gegenprogramm zu diesem ungesunden und oberflächlichen Tagesturbo. 

PreMedia Newsletter:
Die „Salzburger Nachrichten“ setzen neben internationalen, nationalen aber auch auf hyperlokalen Journalismus, beispielsweise beim Sport. Wie nehmen Ihre Leser diese doch für den Verlag kostenintensiven Akti­vitäten auf?

Manfred Perterer: 
Unsere dreifache Ausrichtung – international, national, regional, kommt bei den Leserinnen und Lesern sehr gut an. Wir verfügen über ein weltweites Korrespondentennetz, über die größte Redaktion in Wien aller Regionalzeitungen und über eine flächendeckende Lokalberichterstattung. Dieses umfassende Angebot hat keine österreichische Tageszeitung.

PreMedia Newsletter:
Die ansprechende Visualisierung von Inhalten wird wesentlich von einem professionellen Fotojournalismus und aussagefähigen Grafiken für deren Darstellung in Print geprägt. Für die elektronischen Medien sind zusätzlich Profis vonnöten.
Wie bleibt das für den Zeitungsverlag im Kontext planbarer Kosten machbar?

Manfred Perterer: 
Im digitalen Bereich behelfen wir uns da vor allem mit Agenturen. Wir arbeiten seit vielen Jahren erfolgreich mit der APA zusammen. Die Kollegen haben ihr Angebot im visuellen Bereich stark erweitert. Man sieht das vor allem bei sportlichen Großereignissen.

PreMedia Newsletter:
Was muss aus Ihrer langjährigen Erfahrung als Chefredakteur einer der führenden Qualitätszeitungen Österreichs getan werden, um im Medienmarkt mit journalistischer Qualität erfolgreich bleiben zu können?

Manfred Perterer: 
Die Verlage müssen so wie unserer weiterhin auf unabhängigen Journalismus setzen und entsprechend in Personal investieren. 

PreMedia Newsletter:
Sehr geehrter Herr Perterer, es war mir eine Freude, Ihren Ideen zu folgen. Ich freue mich auf unser Wiedersehen beim European Newspaper Congress im Mai 2018 in Wien.

Manfred Perterer: 
Es war mir eine Freude, Hr. Malik.

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