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11.07.2020

Das Aktuelle Medieninterview – Zeitung machen während der Corona-Krise

20.06.2020
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PreMedia Newsletter: 
Lieber Herr Dr. Berndt, Danke für dieses Interview in nicht einfachen Zeiten, wo auch immer im Geschäftsleben präsent und tätig. Wie konnte ppi Media diesen wohl weltweiten einzigartigen Stillstand durch die Corona-Krise in der Nachfrage nach integrierten Software-Lösungen überbrücken?

Dr. Hauke Berndt: 
Als wir im März, also vor einem Vierteljahr, das gesamte ppi Media Team ins Homeoffice schickten, war allen klar, dass wir uns in einer in dieser Form noch nie dagewesenen Ausnahmesituation befinden. Die Umstellung zum Arbeiten von zuhause verlief nahezu geräuschlos und ich bin sehr dankbar, wie unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter damit umgehen. Unsere Kunden erhalten den gewohnten Service und zahlreiche Projekte laufen weiter, wenn auch häufig etwas langsamer, da es bei vielen unserer Kunden mit Corona zu Einschränkungen kam. Einige Projekte wurden verschoben und wir sehen bereits jetzt einen Nachholeffekt im vierten Quartal.

PreMedia Newsletter: 
Sind das Home-Office und virtuelle Konferenzen via beispielsweise Zoom die Zukunft unserer Kommunikation? Können diese digitalen Kommunikationsmöglichkeiten den persönlichen Kontakt bei Kongressen und Messen kompensieren?

Dr. Hauke Berndt: 
Man muss sich einmal bewusst machen, was für ein Glück wir haben, dass es heute einfache Möglichkeiten gibt, über Videokonferenzen zu jeder Zeit fast überall im Kontakt zu bleiben. Wir besprechen gerade mit einem Neukunden die Möglichkeiten, ein komplettes Projekt ohne Anwesenheit vor Ort durchzuführen. Die Digitalisierung bietet hier zahlreiche neue Optionen. Gerade in technischen Bereichen, wenn es zum Beispiel um die Wartung komplexer Systeme geht, eröffnen sich mit Augmented Reality ganz neue Möglichkeiten, wenn z.B. dem Techniker vor der Anlage vom Hersteller die virtuelle Reparaturanleitung direkt vor Ort eingeblendet wird. 
Ich merke allerdings selbst nach drei Monaten im Homeoffice, dass mir der persönliche Kontakt fehlt. Gerade das Zwischenmenschliche lässt sich eben noch nicht komplett digitalisieren. So finden z.B. unsere ppi Days in diesem Jahr nach 20 Jahren zum ersten Mal nicht statt und bei unserem Webinar, das wir alterativ angeboten haben, konnten wir leider nicht mit unseren Kunden zusammen die Gespräche führen, die manchmal eben nur in den Pausen oder am Abend stattfinden. Andererseits empfinde ich den Begriff Social Distancing als unzutreffend, da ich in den letzten Monaten mit vielen Menschen im engen sozialen Kontakt geblieben bin. Der Begriff Physical Distancing ist hier vermutlich angebrachter.

PreMedia Newsletter: 
Geld für Investitionen ist generell, auch bei den Verlagen und Medienhäusern, sehr knapp geworden. 
Welche Möglichkeiten gibt es aus Sicht von ppi Media, Zeitungen, Zeitschriften, Medienhäuser aus der Corona-Krise heraus mit Produkten und Service-Dienstleistungen beiseite zu stehen? 

Dr. Hauke Berndt: 
Unsere Lösungen für die automatisierte Produktion von Printpublikationen sind ganz und gar darauf optimiert, Prozesse zu automatisieren und zu optimieren. Das heißt, Investitionen zahlen sich sehr schnell aus. Wenn Verlage mit den richtigen Lösungen arbeiten, können sie die Produktionskosten in Teilbereichen mehr als halbieren. Besser kann man sich in Krisenzeiten kaum aufstellen. 
Für unsere Redaktionslösungen gilt ähnliches. Eine Funktion wie Web-Based Production, mit der wir das Layout ins Web verlagern und Verlagen helfen, die Anzahl ihrer benötigten InDesign-Lizenzen drastisch zu reduzieren, steigert die Effizienz erheblich. 

PreMedia Newsletter: 
Was sind die Entscheidungskriterien seitens der Investoren bei Medienhäusern und Verlagen bei multimedialen Redaktions- und Planungssystemen heute? Sehen Sie da im internationalen Geschäft regionale Unterschiede?

Dr. Hauke Berndt: 
Zunächst sollen Redaktionslösungen und Planungssysteme den Mitarbeitern eine hohe Flexibilität bieten und einfach in der Handhabung sein. 
Ganz wichtig sind natürlich auch eine hohe Ausfallsicherheit und zuverlässige Wartungsoptionen. Redaktionslösungen sollen digitale Kanäle in den Mittelpunkt stellen. Verlage setzen zum Beispiel immer häufiger darauf, dass redaktionelle Artikel – auch für Print – ausschließlich 
im Web-CMS erfasst werden. Das setzen wir bereits im Rahmen von Kundenprojekten um. Ein zentrales Entschei­dungskriterium für neue Lösungen ist letztlich natürlich, dass diese langfristig Kosten sparen. 

PreMedia Newsletter: 
Wie sehen Sie dabei die Situation bei cloudbasierten Software-Lösungen SaaS für Verlage und Medienhäuser?

Dr. Hauke Berndt: 
Viele unserer Kunden verlagern derzeit ihre Systeme mit uns in die Cloud und wir übernehmen dabei häufig den anschließenden Betrieb. Dies geschieht zum Beispiel, wenn Verlagsmitarbeiter mit dem System-Know-How in den Ruhestand gehen. Oft ist es dann für den Verlag günstiger, für die Betreuung der Systeme, keine neuen Mitarbeiter auszubilden, sondern dies an uns als Dienstleister auszulagern. Wir helfen unseren Kunden dabei, Prozesskosten weiter zu 
senken.

PreMedia Newsletter: 
Welche Chancen gibt es darüber hinaus für nischenbasierte fertige Software-Lösungen wie beispielsweise für CRM, MIS oder für zielgruppengenau zugeschnittenes Database-Publishing? Den Kunden zielgruppengerecht genau analysiert, seine Bedürfnisse kennen und aktiv unterstützen?

Dr. Hauke Berndt:
Das an die Zielgruppe angepasste individuelle Ausspielen von Inhalten gewinnt zunehmend an Bedeutung. Hier wächst der E-Commerce, in dem viele Unternehmen ihre Customer Journey optimiert haben und ihre Kunden an allen Touch Points begleiten, mit dem klassischen Publishing zusammen. Die User Experience Platform erreicht und begleitet den Kunden, hier also den Leser, auf seinen Kanälen mit den für ihn relevanten Inhalten. Dies geschieht automatisiert und datenbasiert.

PreMedia Newsletter: 
Die Digitalisierung in der Kommunikationsbranche ist fraglos die Zukunft. Die Bezahlmodelle dafür sind zur Zeit noch in Entwicklung. Noch tragen die Erlöse daraus den Qualitätsjournalismus – mit wenigen Ausnahmen wie Wall Street Journal, New York Times, Schibsted Group, The Guardian etc. – in mehr oder weniger geringfügigem Umfang. Die digitale Transformation sollte sich ja auch in tragfähigen Geschäftsmodellen widerspiegeln. Wie sehen Sie bei ihrer weltweiten Medien-Erfahrung die Entwicklung dazu?

Dr. Hauke Berndt: 
Gerade in diesen Zeiten spüren wir natürlich besonders deutlich, wie wichtig unabhängiger Qualitätsjournalismus ist. Gleichzeitig sehen wir auch, welche Bedeutung digitale Kanäle für den Journalismus wirklich haben, wenn zeitweise kaum noch jemand rausgeht, um eine Zeitung zu kaufen. Es ist für die Verlage aber natürlich extrem schwer, hier sinnvolle Bezahlmodelle zu entwickeln, die von den Lesern getragen werden. Ich hoffe, dass das gelingt. Hochwertige journalistische Inhalte zu erstellen ist in der Regel kaum möglich, wenn für diese Inhalte nicht bezahlt wird. 

PreMedia Newsletter: 
Lieber Herr Dr. Berndt, herzlichen Dank für dieses Gespräch und die Einschätzungen zur Lage der internationalen  Medienindustrie.

Dr. Hauke Berndt: 
Sehr gerne, wir bleiben in Kontakt, Hr. Malik.

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