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19.08.2022

Papier als Mangelware und so teuer wie nie

09.04.2022
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Altpapier stellt eine wertvolle Resource dar. Für die meisten ist es nach der Verwendung einfach nur Müll, für die Druckereien ein wichtiger Recycling-Rohstoff.
Denn Papier wird oft bis zu zehn Mal wiederverwertet, vom Hochglanz-Katalog, über die Zeitung bis hin zum Toilettenpapier. Trotz dieser vielseitigen Wiederverwendbarkeit warnt die Papierindustrie vor enormem Rohstoffmangel.

Der Mangel lastet schwer
Eine Kurzumfrage der Druck- und Medienverbände aus dem Februar 2022 zeigt bedrohliche Konsequenzen für die Branchenbetriebe. Demnach seien 80 Prozent der Druck- und Medienunternehmen betroffen: ungekannte Papierknappheit, unvorhersehbare Preisentwicklungen und lange Lieferfristen.
72 Prozent der Betriebe mussten laut Verband Druck und Medien Bayern (VDMB) in diesem Jahr sogar schon Aufträge absagen. „Für jedes fünfte Unternehmen ist die Lage existenzbedrohend“, warnt Holger Busch, Hauptgeschäftsführer des VDMB.

Hintergrund: China kauft den Markt leer
Verantwortlich für die Papierknappheit sei zum einen der Kapazitätsabbau für grafische Papiere in Europa in den vergangenen fünf Jahren. Europaweit sei mehr als ein Viertel der Produktion von Druckpapier eingestampft worden. Stattdessen ging der Fokus mehr auf Verpackungspapier - vor allem als während der Corona-Krise der Versandhandel zugenommen habe.
Zudem seien in den vergangenen Jahren immer weniger Zeitungen gedruckt worden, weshalb nun großen Menge Altpapier zur Wiederverwendung fehlen. Auch sei Papier als Rohstoff international sehr nachgefragt. „Vor allem die Chinesen bezahlen auf dem Weltmarkt horrende Preise“, was sich laut Bettina Knape vom Bundesverband Druck und Medien auch sehr auf die Preise hierzulande auswirkt.

Preisexplosion auf dem Papiermarkt
Um bis zu 50 Prozent sei der Papierpreis teilweise gestiegen. Das trifft in erster Linie die Druckereien, die nicht alle Kosten direkt an die Kunden weitergeben können. Zudem könnte sich auch der Krieg in der Ukraine auf dem Druckermarkt bemerkbar machen. Durch den Anstieg der Energiekosten werde die energieintensive Verarbeitung noch teurer - Kosten, die auch die Zeitungsverleger treffen. Sollte sich die Lage nicht entspannen, befürchtet die Vereinigung der Bayerischen Zeitungsverleger (VBZV) Kürzungen von einzelnen Titeln, wie es bereits außerhalb Bayerns schon vorgekommen sei. „Im Vergleich zu Anfang 2021 rechnen unsere Verlage hier mit Mehrkosten von circa 90 Prozent“, antwortet Markus B. Rick, Geschäftsführer beim VBZV auf BR-Anfrage.
In Kombination mit den stark gestiegenen Kosten für die Zustellung der gedruckten Zeitung, die sich durch die geplante Anhebung des Mindestlohns ab Oktober noch weiter erhöhen werden, sei das für die Zeitungsbranche eine katastrophale Entwicklung.

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