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14.12.2019

Einsichten rund um die Zeitung

18.10.2019
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PreMedia Newsletter:
Hr. Seidel, Herr Lang, wir bekommen auf der WAN-Ifra-DCX-Messe sehr viel zu hören, zu lesen und präsentiert. Welche Tageszeitung werden wir in 5 bis 10 Jahren konsumieren können?

Jens Seidel: 
Hr. Malik ich bin der Meinung, dass die Tageszeitung noch vielfältiger wird und Ausspielformate werden variantenreicher. Weiter denke ich auch, dass der Weg der individualisierten Tageszeitung weiter voran geht. Durch die mobiler werdende Gesellschaft müssen Nachrichten noch stärker zum richtigen Zeitpunkt, im richtigen Format an der richtigen Stelle vorliegen. Dabei sollten sich Tageszeitungen in der Form von Angeboten nicht selbst beschränken. Jeder Kanal hat dabei seine Berechtigung und Verlage sollten daraufsetzen. Bewegtbilder und Töne kommen Online oder in Sozialen Medien nun mal schneller und besser zur Geltung. Diese können die gedruckten Ausgaben mit gut recherchierten Hintergrundinformationen und Kommentaren, optimal unterstützen.  

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Welchen Stellenwert haben dabei hyperlokale und subregionale Inhalte?

Jens Seidel: 
Das spielt meines Erachtens eine große Rolle. Es leben ja viele Menschen im ländlichen Raum oder kleineren Städten und da verfügt die Tageszeitung über große Akzeptanz. Menschen, die unter Einflussnahme der lokalen Tageszeitung über tagesaktuelle Themen in der Region diskutieren wollen, werden die bezahlte regionale Tageszeitung auch weiterhin kaufen.

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Wie schätzen Sie denn den digitalen Medienkonsum versus dem Printmedienkonsum in Bezug auf die Qualität der publizierten Inhalte ein?

Jens Seidel: 
Keine einfache Frage, Hr. Malik. Auf vielen Kanälen laufen digitale Inhalte mit den Printinhalten konform. In der gleich guten oder weniger guten Qualität. Die individuell auf den Leser zugeschnittene Tageszeitung bietet gedruckt einen hohen Komfort-Zugewinn für den Medienkonsumenten. Das Lesen der Tageszeitung ist ja auch Teil der Freizeit in unserer Gesellschaft. Ja, klar, sie steht gerade für diese wertvolle Zeit in direkter Konkurrenz zu den digitalen Medien, Messenger-Diensten wie WhatsApp, klassischen TV- und Radio-Kanälen und rasch wachsenden Digitalanbietern wie YouTube, Netflix, Instagram, Facebook & Co.

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Herr Seidel, damit sprechen Sie für mich ja doch eine Dynamik an, bei der Lesen von bezahltem Qualitätsjournalismus nur mehr von höher qualifizierten Eliten nachgefragt wird. Dabei spielen ja auch die Produktkosten eine Rolle. Eine Samstag-Ausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ kostet mit hochwertigem Heatset-Supplement € 3,20 am Kiosk. Ein Preis, der durch hohe Herstellungs- und Vertriebskosten sicher gerechtfertigt ist. Den sich aber leider immer mehr Bürger nicht mehr leisten können und oft auch nicht wollen. Sind wir auf den Weg einer kleiner werdenden, finanziell besser gestellten Leser-Elite bei der Tageszeitung?

Jens Seidel: 
Hr. Malik, das Thema „lesende Eliten“ ist für mich ein sehr weites Thema. Es geht doch insgesamt für alle an der Tageszeitung Beteiligten darum, dass die Zeitung auch eine wirtschaftlich tragfähige Masse erreicht. Es ist ja auch eine Frage, wenn bei zurückgehenden Anzeigenumsätzen die gedruckten Seitenumfänge, die derzeit noch hergestellt werden, noch tragfähig bleiben können. Ich weiß schon, dass es riesige Rotationsmaschinen bei den Zeitungsverlagen gibt, die ausgelastet werden müssen. Doch führt das an den Bedürfnissen des Medienmarktes vorbei. Meines Erachtens sollte die Zeitung den Aktualitätsgewinn durch die Onlinemöglichkeiten noch weiter für bezahlten Qualitätsjournalismus nutzen. Zu wissen, was will der Werbemarkt, was will der Leser erhalten, ist von entscheidender Bedeutung für die erfolgreiche Zeitung.

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Sie sprechen einen interessanten Aspekt in Bezug auf die Werbung an.  Digitale Werbeformate haben es bei den Zeitungs- und Zeitschriftenmedien sehr schwer. Nutzt die klassische Werbung alle Möglichkeiten, wie zum Beispiel über Einbindung von QR-Codes bei Print zur Ermöglichung von Augmented Reality-Werbeformaten beim Smartphone etc.? Als Brücke von Print zur digitalen Welt?

Jens Seidel: 
Diese Frage gebe ich an unseren Herrn Lang weiter.

Rainer Lang: 
Das stellt bei klaren Werbeinhalten durchaus eine sinnvolle, konstruktiv ergänzende Möglichkeit dar. Wobei die heutigen Möglichkeiten im Bereich AR noch nicht den großen Durchbruch geschafft haben. Möglicherweise ist das Bedienkonzept zu aufwändig oder nicht selbsterklärend genug. Die virtuelle Anzeige mit Augmented–Reality-Funktionen darzustellen, bedarf sorgfältiger Überlegungen, welche Botschaft beim Medienkonsumenten bleibend haften soll. Da sind dann schnell Begehrlichkeiten vorhanden die in den Bereich des „Gamings“ gehören. 

Jens Seidel: 
Aber eine Gegenfrage an Sie, Hr. Malik: Wenn ich eine klassische gedruckte Tageszeitung lese, habe ich ja keine spezielle Virtual-Reality-Brille als Lesehilfe zur Verfügung. Haben sich diese Spezialbrillen á la Google Class nicht schon wieder überholt? In meinem Freundes- und Bekanntenkreis, auch im Alter zwischen 14 und 17 Jahren, hat keiner eine solche Brille.

PreMedia Newsletter:
Da haben Sie recht. Bei Anwendungen in der Medizin oder im grafischen Gewerbe im Service-Bereich bei der Wartung und Reparatur von Druck- und Versandraumanlagen haben sie sich in der Praxis bewährt. 
Zurück zu meiner nächsten Frage: Wie entwickelt sich denn die Nachfrage nach integrierten Vorstufenlösungen aus ihrer Sicht?

Rainer Lang: 
Wir sehen einen Markt, den wir weiter mit hoher Kontinuität und erweiterten Dienstleistungen bedienen werden. Damit Verlage und Medienhäuser wirtschaftlicher arbeiten können. Die Einbindung von Subsystemen und die komplette Systemsteuerung erweitert die Möglichkeiten hoch integrierter Anwendungen, auch über die Cloud. Damit werden die Systeme übersichtlicher und für den Anwender einfacher bedienbar. 

PreMedia Newsletter:
Lieber Herr Seidel, lieber Herr Lang, Danke für das Gespräch auf der WAN-Ifra-DCX-Expo, die ja leider nächstes Jahr in 2020 nicht stattfinden wird.

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