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24.04.2018

Erkennen was wichtig ist

24.03.2018
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“I hate the idea of trends”, soll der Schauspieler Clint Eastwood einst gesagt haben. Ob er heute noch dieser Meinung ist, wissen wir nicht. Wir wissen aber, dass “Trends” nicht nur keine verrückte Idee sind, sondern virtuelle Wegweiser in die Zukunft. Wer sie erkennt, weiß früher als andere, was die Zukunft sein könnte.  
Für uns Deutsche lässt sich die Blockchain vielleicht so beschreiben: Eine Technologie, die wie eine endlose Akte funktioniert. Jede Transaktion wird darin abgelegt, alles ist immer schön in der richtigen Reihenfolge, und niemand kann je wieder etwas rausnehmen. Und doch ist die Blockchain mehr als der technologische Traum aller bürokratisch Impulskontrollgestörten. 

Sie ist eine Revolution. 
Wenn die Blockchain sich durchsetzt, dann ist der Plattformkapitalismus, wie wir ihn kennen, am Ende. Dann brauchen Autobesitzer kein Uber mehr, sondern können ihre Fahrdienste direkt über die Blockchain anbieten. Musiker brauchen Spotify nicht mehr, sondern schließen mit ihren Kunden einen direkten Vertrag. “Content becomes its own little software”, sagt Lubin. Das kann weltbewegend werden. 
Hoffentlich nicht. Es gibt so viele voraus denkende Menschen, die mehr wollen als Billigst- und Gratis-Angebote. 
Und sich damit für Qualitätsangebote der Informations- und Kommunikationsangebote entscheiden. Sie sind auch bereit, dafür zu bezahlen.
Daher bleiben Online-Angebote wichtig für die Reichweite. Die Onlineangebote der Verlage werden gern genutzt. 
Online-Journalismus zu finanzieren, bleibt aber eine Herausforderung mit ungewissem Ausgang. 

Was nichts kostet, ist auch nichts wert? Gilt das noch immer?
Printmedien sind in deutschen Zeitschriftenhäusern nach wie vor das profitabelste Einkommensstandbein, aber eines das immer kürzer wird. Zwar erwirtschaften die deutschen Zeitschriftenverleger mit 14,8 Milliarden Euro  trotz abschmelzender Auflagen einen stabilen Gesamtumsatz (Fach- und Publikumsmedien zusammengerechnet). 
Abo und Kioskverkauf sowie Anzeigenumsätze von Printtiteln stehen aber inzwischen nur noch für 57 Prozent der Gesamtumsätze in den Verlagen. 2018 soll der Anteil auf 55 Prozent sinken.
In Zahlen heißt das: 3,4 Milliarden Euro brutto (-1,6 Prozent) spülte das Anzeigengeschäft 2017 bei den Publikumszeitschriften in die Kassen, Kioskverkäufe und Abos steuerten 2,7 Milliarden Euro zum Gesamtumsatz bei. Diese Zahlen stellte Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), kürzlich in Berlin vor. Die gedruckte Fachpresse muss bei der Vermarktung noch mehr Federn lassen: Deren Anzeigengeschäft schrumpfte um 4,8 Prozent auf 396 Millionen Euro.

Verleger setzen auf viele Vertriebswege
In der VDZ-Trendumfrage 2018 erwarten die Verleger für ihre Printmedien einen weiteren Rückgang bei Anzeigen (1,8 Prozent) und Vertrieb (1,7 Prozent) - bei insgesamt stabilen Gesamtumsätzen. Das digitale Geschäft (Banner, E-Commerce, Rubriken, Search und Paid Content zusammengenommen) soll um 7,5 Prozent steigen. 
Die Hälfte der Verlage will in zusätzliche redaktionelle Digital-Angebote investieren.
Trotz des Wachstums steuert das Digitalgeschäft auch 2018 nur 21,5 Prozent zum Gesamtumsatz bei, so die Erwartung der Verleger. Weitere 23,5 Prozent verdienen die Häuser über zusätzliche Geschäftsfelder (Datenbank-Services, Leadgenerierung, Konferenzen). „Die Finanzierung von digitalem Journalismus bleibt eine Herausforderung“, sagt Scherzer. Inzwischen gebe es mehr als zehn verschiendene Umsatzströme im Verlag. „Als Verleger hält man heutzutage viel mehr Bälle in der Luft“, so der VDZ-Hauptgeschäftsführer.
In diesem Bereichen erwarten die Verleger 2018 Umsatzwachstum:

Print bleibt wichtig
Aber auch in Printtitel wollen die Verlage weiter investieren. Noch mehr Tiefe, weniger Breite. General-Interest-Titel sind dabei auf dem Rückzug.  27 der Verlage planen neue periodische Titel, das Gros der Neuerscheinungen werden aber eventbezogene Sonderausgaben stellen, zum Beispiel rund um die herannahende Fußball-WM. 46 Prozent der Verlage haben Einmal-Pläne in der Tasche.

Zusammenrücken statt Fighten
Angesichts des erdrückenden Wettbewerbs durch die Tech-Plattformen rücken die Verlage merklich zusammen. In den Vertriebsverhandlungen mit dem Grosso fand sich eine verlagsübergreifende Verhandlungskoalition zusammen. Bauer, Funke und Burda wollen Pläne für eine gemeinsame Anzeige- und Vertriebsallianz 
umsetzen.
Beim VDZ selbst bleibt indes die (Finanz)lücke, die Bauer, G+J, Spiegel, Zeit und Medweth mit ihren Austritten hinterlassen haben. Frohe Rückkehrer-Botschaften kann Scherzer einstweilen nicht verkünden.
Auch in der Zukunft sollte das Leben einen Platz für die Poesie und atmende Freiheit der Gedanken haben.  
Und das wertvoll bezahlt.                                 -karma-

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