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20.08.2019

Multimediale digitale Transformation

21.06.2019
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Der 20. European Newspaper Congress wurde zugleich der erste European Publishing Congress. Johann Oberauer bei der Eröffnung des Congresses: „Philipp Welte, CEO von Burda, hat mich letztes Jahr hier in Wien angesprochen, warum wir einen europäischen Zeitungskongress machen – und nicht auch einen für Magazine. Längst sind Zeitung, Magazin, natürlich Digital und Bewegtbild zu einer Publishing-Welt zusammengewachsen. Mit der Änderung des Namens will dieser Kongress diese Entwicklung künftig auch im Titel ausdrücken. Danke Philipp Welte für Ihre Anregung. 
Mehr als 500 Journalisten, Chefredakteure und Medienmanager aus 35 europäischen Ländern haben sich für diesen Kongress angemeldet – so viele wie noch nie. Ich danke Norbert Küpper, dem Gründer dieses Kongresses, ich danke der Stadt Wien als Mitveranstalter – und ich danke Ihnen, dass Sie sich Zeit genommen haben. Meine Damen und Herren, nützen Sie die Tage in Wien, sich zu vernetzen und auszutauschen – und vielleicht ihr Schiff in einen Verband einzubringen.“
Oberauer spannte in seiner Eröffnungsrede einen weiten Bogen. Er erinnerte an die unter Druck geratene Meinungs- und Pressefreiheit, teils aus politischen, teils aus wirtschaftlichen Gründen. Er mahnte Standhaftigkeit und Mut ein in allen jenen Fällen, bei denen einzelne politische Parteien oder ganze Staaten die freie unabhängige Presse gänzlich ausschalten wollen. In den freien Demokratien würde die Digitalisierung und deren Folgen für die freie Presse die nächste zu lösende Mammut-Aufgabe darstellen. Sehr lange seien über viele Jahre die durch Google, Facebook & Co. unrechtmäßig verursachten Gefährdungspotenziale von den Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen unterschätzt worden. 
Österreichs Bundeskanzler, Sebastian Kurz, betrachtete in seiner Rede das Wechselspiel zwischen Politik und Medien. Er erinnerte sich an seine mehrjährige Tätigkeit als österreichischer Außenminister. „Mir ist auf meinen vielen Reisen aufgefallen, dass überall dort, wo die Presse- und Meinungsfreiheit in Gefahr war, auch die Demokratie unmittelbar gefährdet war.“
Die Verabschiedung des Leistungsschutzrechtes innerhalb der EU und die in Österreich als erstem Land in der EU eingeführte Digitalsteuer, solle wenigstens einigermaßen Wettbewerbsgleichheit zwischen den Medienunternehmen schaffen. Dabei gehe es nicht um eine weitere Steuererhöhung, sondern vielmehr sollen diese Einnahmen über einen Fonds zur Förderung und Digitalisierung der Medienlandschaft zur beständigen Medienvielfalt verwendet werden. 

Philip Welte: Freiheit, die ich meine
Keynote-Speaker Philip Welte, CEO von Burda, machte am Beispiel der Unterdrückung der Demokratie in der Türkei deutlich, welche dramatischen Folgen dies für die Bevölkerung bis heute hat.
„Denjenigen, die unsere Werte angreifen, brechen wir die Hände, schneiden ihnen die Zunge ab und vernichten ihr Leben.“ (Zitat Präsident der Türkischen Nationalversammlung Ismail Kahraman).
Diese brachiale Kampfansage ist keine zwei Jahre alt: Im Juli 2017 offenbarte der Präsident der Türkischen Nationalversammlung Ismail Kahraman schonungslos, welchen Wert die Freiheit in seinem Land hat. 
Zu dieser Zeit: 
 waren in der Türkei gerade 130.000 Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes entlassen worden, darunter 4.000 Richter und Staatsanwälte.
 wurden mehr als 77.000 Menschen über Nacht inhaftiert,
 darunter 160 Journalisten, und 193 Medienunternehmen und Verlage wurden geschlossen.“ (Zitat Philip Welte Ende).

Het Financieele Dagblad European Newspaper of the Year
Die digitale Transformation – 
ein neues Konzept für die gedruckte Tageszeitung
Content-Vermarktung ist auch bei den Zeitschriften das entscheidende Erfolgsmodell. Marina Haydn, Executive Vice President des Economist, konzentrierte sich dabei auf „Das Abo-Modell des Economist“. Haydn erklärt in Wien, wie im digitalen Zeitalter Leser zu dauerhaften Kunden werden. Der Economist ist „European Magazine of the Year“. 
apotheken-umschau.de European Digital Publishing Platform of the Year
Das deutsche Gesundheitsportal apotheken-umschau.de hat sich den Trends im Webdesign oder in der Navigation weitgehend verweigert. Selbst die Inhalte wurden nie vordergründig für Google optimiert, sondern einzig für die Nutzer. Dazu gibt es für jeden einzelnen Beitrag eine klare Architektur, um diesen Ansatz auch in der Tagesarbeit sicherzustellen. Das Gesundheitsportal ist nun als „European Digital Publishing Platform of the Year“ ausgezeichnet worden. Details zur Strategie erklärte CEO Andreas Arntzen und Geschäftsführer Dennis Ballwieser in ihrer präsentierten Fallstudie sehr anschaulich.
Die digitale Transformation der Medien ist in diesem Jahr das Hauptthema in Wien. Neben neuen Führungsansätzen, standen digitale Inhalte, digitale Kundenbeziehungen und digitale Preismodelle am Programm.
Boris Trupčević stellt die digitale Transformation von 24sata vor. Der Leiter von Styria Kroatien berichtet, unter welchen Voraussetzungen er dieses weitreichende Projekt gestartet hat, welche Ergebnisse er bis heute erzielen konnte und welche Pläne er noch hat.
Marina Haydn vom Economist in London erklärt, wie sie Leser zu Kunden macht. Diese auch dann nicht zu verlieren, wenn die Abopreise deutlich steigen, gelingt dem Economist außergewöhnlich gut. In den zurückliegenden fünf Jahren hat das britische Wirtschaftsmagazin seine Erträge aus dem Lesermarkt verdoppelt, zuletzt vor wenigen Wochen um 20 Prozent.
Barnaby Skinner, Leiter Datenjournalismus bei der Tamedia in Zürich, schaffte eine Brücke vom Datenjournalismus zum Roboterjournalismus. Außerdem stellte er vor, welche Fähigkeiten von Mitarbeitern in der Redaktion erwartet werden.

Erfolgsrezepte für die 
Multimedia Publikation
Wie Blattmacher heute Leser gewinnen. Congress-Gründer und Veranstalter Norbert Küpper notierte beim European Newspaper Award acht spannende Trends. Hochkarätiger Bildjournalismus, den Leser durch die Zeitung führendes Zeitungs-Design und erklärende Business-Grafiken machen die Zeitung für den Medienkonsumenten wertvoller.
Die „Schwäbische Zeitung“ misst inzwischen den Erfolg und Akzeptanz jedes einzelnen Artikels. Digitalchef Yannick Dillinger erklärt, wie damit Abos verkauft werden. 
Wie der „Tagesspiegel“ in Berlin „Politik & Verwaltung“, „Medizin“, „Wissenschaft“, „Kultur“ und „Digitalisierung“ entdeckte und so die Nr. 1 in der deutschen Hauptstadt wurde, erklärte Herausgeber und Deutschlands Medienmanager des Jahres, Sebastian Turner.

Die Wiederentdeckung der 
gedruckten Stellenanzeige
Stellenanzeigen schienen für die Zeitung verloren zu sein. Das dem nicht so ist, zeigte das Beispiel der „Bezirksblätter“ aus Salzburg. Diese machen mit gedruckten Stellenanzeigen steigende Umsätze. Wie eine Lokalzeitung redaktionell und wirtschaftlich neue Nischen findet, stellt Geschäftsführer Michael Kretz vor.

„Europa spricht“: Livejournalismus im digitalen Zeitalter
„Zeit Online“ und „Der Standard“ haben im Vorfeld der EU-Wahl tausende Menschen zu persönlichen Gesprächen zusammengebracht. Unnötig im digitalen Zeitalter oder nötiger denn je? Was hat es den Medien gebracht? Maria Exner („Zeit Online“) und Martin Kotynek („Der Standard“) stellten die Erkenntnisse von „Europa spricht“ 
vor.

OE24.tv als Treiber für Print 
und Online
Zuerst ging es nur um Bewegtbild für Online. Jetzt hat das Medienhaus „Österreich“ mit 
OE24.tv einen eigenen Fernsehsender, der zunehmend die Themen für Print und Online vorgibt. Chefredakteur Niki Fellner erläuterte das Konzept und welche Rolle CNN dabei spielt.

Die andere Form des Lokaljournalismus
Magne Kydland und Lena Herland Eide, Sunnhordland zeigten auf, das Qualität wenig mit reiner Größe zu tun hat. 6 Journalisten, 2 Fotoreporter und 3 Layouter machen Europas beste Lokalzeitung: „Sunnhordland“ in Norwegen mit einer Auflage von täglich 6.120 Exemplaren. Was sie anders machen als die anderen, erklärten Magne Kydland, verantwortlicher Redakteur von „Sunnhordland“ und die Zeitungsdesignerin Lena Herland Eide mit viel Herzblut für ihre erfolgreiche norwegische Lokalzeitung.

Online first im Lokalen
Wie gelingt im Lokalen die digitale Transformation gelingt, war das zentrale Thema von Chefredakteur Uwe Vetterick und Lesewert-Geschäftsführer Ludwig Zeumer von der „Sächsischen Zeitung Natürlich ohne das alte Kerngeschäft zu zerstören und mit dem Anspruch, auch Print besser zu machen. Die „Sächsische Zeitung“ hat dazu ein spannendes Pilotprojekt gestartet. erklärten die bisherigen Ergebnisse.

Macht Europa ausreichend 
für die Medien?
Und was machen die Medien für Europa? Und wo stehen zwei Wochen vor der Wahl zum Europäischen Parlament die Bürger? Impulse aus gesamteuropäischer Sicht von Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Berlin.

Von Clickbait zu gefälschten 
Nachrichten: Gewinnt jemand?
Ein früher Internet-Pionier Rumäniens beleuchtete die Veränderungen durch die Digitalisierung der Arbeitsprozesse in den Redaktionen. 
Russland: Wie können Qualitätsmedien in einer Welt von Fake News und Clickbaits überleben?
Der russische Medienmarkt – flächenmäßig ein Kontinent mit 11 Zeitzonen – mit nur 144 Mio. Einwohnern, stellt ja in den Metropolen Moskau und Sankt Petersburg, in den Millionenstädten Nowosibirsk in Sibirien, Jekaterinburg im Ural und Nischni Nowgorod an der Wolga, besondere Anforderungen vor allem an privatgeeignete Medienhäuser. 
Unter den Printmedien gilt die Boulevardzeitung Moskowski Komsomolez als die beliebteste im Land. Nach eigenen Angaben erreicht die Boulevardzeitung etwa 1,3 Millionen Leser. Sie ist auch die günstigste. Wichtigste Tageszeitung ist die Komsomolskaja Prawda, mit einer Auflage von heute 830.000 Exemplaren. Die Tageszeitung Rossijskaja gaseta (Auflage: 430.000 Exemplare) ist ein Verlautbarungsblatt der russischen Regierung mit Sitz in Moskau.
Mit 17 Millionen Quadratkilometern ist Russland der flächenmäßig größte Staat der Erde. 77 Prozent der Einwohner Russlands leben westlich des Urals. Die Omnipräsenz der TV-Sender, die 80 Prozent der russischen Medienkonsumenten hauptsächlich nutzen, und die bekannte Print-Affinität der russischen Medienkonsumenten bieten vor allem Zeitschriften interessante Marktnischen. Über ihren Erfahrungen im Kampf ums russische Publikum, berichteten Igor Trosnikov und Elizaveta Golikova, Chefredakteure von RBC, der größten privaten Medienholding in Russland.

Das Projekt Tobi:
Vom Datenjournalismus zum 
Roboterjournalismus
Welche Programmierkenntnisse brauchen Journalisten im redaktionellen Alltag? Bei der Aggregation, Reinigung, Analyse von Daten, die dann für Geschichten, Infografiken, interaktive Formate verwendet werden – oder für die Automatisierung von Inhalten wie von Tamedias Roboter Tobi. Mehr darüber von Barnaby Skinner, Leiter Datenjournalismus bei Tamedia.
Fake News in Russland, Ukraine, Aserbaidschan und Kasachstan
Dieselben Probleme wie im Westen Europas oder komplett andere Erfahrungen? Eine Podiumsdiskussion mit George Sharashidze, Chefredakteur Georgia Today, Sergii Golovnov, Chefredakteur Business censor.net, Murad Aliyev, Chefredakteur Report News Agency, Dmitry Kolezev, Chefredakteur Znak.com, Denis Krivosheyev, Blogger.
Dem European Publishing Congress hat die Neuausrichtung unter Einbeziehung des Marktsegmentes Zeitschriften sehr gut getan. Zwischen Print, Online und TV angesiedelt, standen erneut praxisnahe Fallstudien und europäisches Networking in dem wie immer festlichen Rahmen des Wiener Rathauses im Fokus der Veranstalter. Der sehr wichtige Think tank der europäischen Medienindustrie konnte sich über weiteres qualitatives wie quantitatives Wachstum freuen.            -karma-

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